Die Insel Usedom

Die Insel Usedom befindet sich im äußersten Nordosten Deutschlands an der Grenze des Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern zu Polen. Sie ist Teil des Landkreises Ostvorpommern (Autokennzeichen: OVP) und liegt zwischen den Flüssen Peene und Swine, zwischen Stettiner Haff und offener Ostsee. In direkter Nachbarschaft liegen auf deutscher Seite Greifswald, Stralsund und die Insel Rügen, auf polnischer Seite Stettin und die Insel Wollin.

Usedom, etwa halb so groß wie Rügen, ungefähr doppelt so groß wie Wollin, ist die zweitgrößte Insel Deutschlands. Allerdings teilen wir uns die 445 km² Usedoms mit unseren polnischen Nachbarn, die die östliche Inselspitze besiedeln: Dort liegt die Stadt die Stadt Swinemünde mit ihren rund 45000 Einwohnern. Der deutsche Teil der Insel, der etwa 80 Prozent von Usedom umfasst, zählt dagegen nur 30000 Einwohner. Wenn man bloß auf die ungeschminkten Zahlen schaut, sind die Deutschen also auf ihrer zweitgrößten Insel in der Minderheit. Tatsächlich jedoch verteilen sich beide Bevölkerungsgruppen auf zwei Siedlungsräume: Usedom ist demgemäß eine geteilte Insel wie Irland oder Zypern, aber die zwischenstaatlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Polen sínd natürlich weitaus entspannter. Der Grenzverkehr ist hier sogar sehr rege und freundschaftlich. Er hat sich zwischen Ahlbeck und Swinemünde besonders im Sommer zu einem wahrhaften Massenauflauf entwickelt, da viele Leute die Gelegenheit wahrnehmen wollen, in Polen preiswert einzukaufen.

           Brücke in Wolgast

Zwei Brücken und Straßen, und zwar die B 111 und die B 110, verbinden die Insel Usedom mit dem Festland. Die nördliche Brücke in Wolgast ist sogar eine kombinierte Auto- und Eisenbahnbrücke, über die eine Bahnlinie von Züssow bis nach Ahlbeck bzw. bis zur polnischen Grenze führt. Eigentlich ist es egal, welche Strecke man mit dem Auto nimmt, wenn man nach Usedom anreist: Vor allen Dingen im Sommer steht man aufgrund des Andranges einige bis mehrere, manchmal sehr viele Minuten im Stau, denn die Insel ist nicht zu unrecht als Urlaubsort seit 1825, als der Bäderbetrieb einsetzte, sehr beliebt und viel besucht:

     
Fischerboot im Hafen von Kamminke und der Strand bei Koserow

Den Urlauber erwarten nämlich an der sogenannten "Pommerschen Riviera" mehr als 35 km feiner Sandstrand, der sich ununterbrochen von Peenemünde bis Ahlbeck in die Länge hinzieht. Auf mehr als 100 km Randwanderwegen und mehr als 400 km ausgeschilderten Wanderwegen kann man die schöne Insellandschaft erkunden: Typisch für sie sind die vielen Einbuchtungen, Halbinseln, Endmoränen und Seen.

           
Seebrücke in Ahlbeck und kaiserzeitliche Villa in Heringsdorf

Die größten und bedeutendsten Orte auf der Insel Usedom sind Zinnowitz und die Gemeinde Seebad Heringsdorf, die aus einem Zusammenschluss der ehemals drei selbständigen Gemeinden Bansin, Heringsdorf und Ahlbeck hervorgegangen ist. Die neue "Großgemeinde", die zugleich einziges deutsches Seebad mit - man lese und staune - drei Seebrücken ist, zählt nun ein Drittel der deutschen Bevölkerung Usedoms, d. h. rund 10000 Einwohner. Viele luxuriöse und elegante Bauten, die im Stile der sogenannten Bäderarchitektur am Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts errichtet wurden, prägen weiterhin maßgeblich das Erscheinungsbild dieses weithin bekannten Seebads in allen seinen drei Ortsteilen. Auch in Zinnowitz kann man noch den architektonischen Charme längst vergangener Tage und Jahre, als Kaiser und Hofstaat sich auf der Insel Usedom zu erholen und zu erfrischen geruhten, staunend betrachten.


Historisch-Technisches Informationszentrum im ehemaligen Kraftwerk in Peenemünde

Zwei weitere Orte auf auf der Insel Usedom sind unbedingt noch erwähnenswert: Die Stadt Usedom, die älteste Siedlung auf der nach ihr benannten Insel, und Peenemünde. Peenemünde ist aufgrund der berühmt-berüchtigten nationalsozialistischen Heeresversuchsanstalt, die mit der Entwicklung des Aggregates A4 bzw. der V2 eher unbeabsichtigt die Grundlagen der modernen Raumfahrttechnik schuf, die weltweit bekannteste Usedomer Gemeinde. Eine Bilderserie über Peenemünde finden Sie auf meiner weiteren Website Usedom-Infoweb.
Heute ist Peenemünde, das in der Nähe der nordöstlichen Inselspitze liegt, ein Museumsdorf. Viele interessante Museen, darunter das Historisch-Technische-Informationszentrum, das die an diesem Standort betriebene Raketenentwicklung darstellt, bewirken, dass das Dorf nicht nur ein touristisches Highlight ist. Weitere bemerkenswerte Museen bzw. Denkmäler auf der Insel sind das Otto-Niemeyer-Holstein-Gedenkatelier in Lüttenort, das Kunstkabinett in Benz und die Reste der Eisenbahnhubbrücke in Karnin.


Eisenbahnhubbrücke in Karnin

Zum Schluss noch ein paar wenige Worte zur Geschichte Usedoms: Schon den alten Römern war die Insel, zumindest jedoch das Gebiet der Odermündung, bekannt. Aufgrund reichhaltiger Bernsteinvorkommen an der Ostsee haben nachweislich Handelsbeziehungen der Oderhaffregion mit dem Imperium Romanum bestanden. 
Detailliert fassbar wird die Geschichte Usedoms aber erst im 12. Jahrhundert: 1128 trat die slawische Urbevölkerung der Insel nach einer Missionsreise des Bischofs Otto von Bamberg zum Christentum über. Bis zum 30-Jährigen-Krieg (1618-1648) unterstand Usedom den pommerschen Herzögen. Mit der Landung des Schwedenkönigs Gustav II Adolfs 1630 bei Peenemünde, der auf Seiten der Protestantischen Union in den 30-Jährigen-Krieg eintrat, begann die Schwedenzeit. Lange jedoch blieben die Skandinavier nicht auf der Insel, denn schon 1720 mussten sie als Konsequenz des verlorenen Nordischen Krieges Usedom an Brandenburg-Preußen abtreten. 


Leuchtturm im Hafen von Swinemünde

Die ersten Seebäder auf Usedom entstanden nach 1820. Von einem wahrhaften Seebädertourismus auf der Insel kann man aber erst ab 1875 sprechen, als die Insel ans Eisenbahnnetz angeschlossen wurde. 1936 erfolgte die Errichtung der oben erwähnten Heeresversuchsanstalt in Peenemünde, 1945 ist ein weiteres Epochenjahr: Die östliche Spitze Usedoms mit der Stadt Swinemünde wird Polen zugesprochen. Vorher jedoch spielte sich noch eine Tragödie größten Ausmaßes in der Stadt ab: Sie wird bei einem Luftangriff kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges stark zerstört. Mehr als 20000 Menschen, darunter sehr viele Flüchtlinge aus den Ostgebieten, verloren dabei ihr Leben.

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© Andreas Reuter