Heringsdorf (2/3)

      

In diesen frühen Zeiten war von Massentourismus noch keine Spur. Heringsdorf in Vorpommern war ein Luxuskurbad der Berliner und Stettiner Elite, die sich die Türklinke hier nacheinander in die Hand gab und eine Villa nach der anderen errichtete. Als prominenteste Besucher hielten sich Johann Strauß, Thomas Mann, Lyonel Feininger, Kurt Tucholsky, Theodor Fontane,  König Friedrich Wilhelm IV von Preußen und Kaiser Wilhelm II im Seebad Heringsdorf auf. Der letzte deutsche Kaiser war ein besonders häufiger Gast, denn er ließ es sich nicht nehmen, einmal jährlich die verwitwete Kommerzienrätin Staudt in Heringsdorf zu besuchen, um mit ihr daselbst Tee zu trinken. 

 

 

 

 

 

 

 

          1922 zählte ebenfalls der russische Schriftsteller Maxim Gorki zu den Gästen des Seebads Heringsdorf. Auf Anraten Lenins sollte er sich in der Villa Irmgard von einer Tuberkuloseerkrankung erholen. Keine Ahnung, wer ihn geärgert hatte, aber im Seebad ließ er sich zu der Äußerung hinreißen, dass die Deutschen in der Masse schwer zu ertragen seien. Wie dem auch sei, man hat ihm diese Äußerung zumindest nicht in Heringsdorf übel genommen: Das Museum für Literatur und Regionalgeschichte in der Villa Irmgard ist nämlich unter anderem eine Gedenkstätte für den einstigen berühmten Gast, dessen Zimmer noch weitgehend im Originalzustand erhalten sind.